Der Weder-noch-Zustand

 
Ein leerer, in Nebel getauchter Rundbogen-Raum in der Altstadt Burgdorf – Sinnbild für den Schwebezustand zwischen Altem und Neuem im Coaching-Prozess.

Ein Raum dazwischen – nicht mehr das Alte, noch nicht das Neue.

 
Ein Heissluftballon schwebt über der Landschaft Myanmars – weder am Boden noch angekommen, ein Bild für den Weg durch den Weder-noch-Zustand.

Schweben zwischen Boden und Himmel – wie der Weder-noch-Zustand selbst.

Wie fühlt sich dieser Moment für dich an?

Dieser Weder-noch-Zustand. Du hast altes losgelassen, alte Zöpfe abgeschnitten oder du musst gewohntes loslassen, weil jemand anderes diese Entscheidung für dich getroffen hat. Das Neue ist aber noch gar nicht da, du befindest dich in diesem Schwebezustand zwischen Alt und Neu, eben in diesem Weder-noch-Zustand. Es kann die Kündigung sein, so dass du plötzlich ohne Job dastehst. Oder der letzte Arbeitstag deiner Karriere liegt hinter dir, dein Kalender ist offen und die Freiheit fühlt sich komisch still an. Vielleicht stehst du in deinem Haus gerade im Kinderzimmer, es ist leer, dein letztes Kind ist gerade in die grosse weite Welt gezogen. Vielleicht fühlt es sich auch an wie bei mir, als ich mir nach der Trennung die Frage stellte: "Wer bin ich wirklich?". Und vielleicht ist es auch ein Erfolg, der diesen Zustand öffnet: du hast das Ziel erreicht, auf das du lange hingearbeitet hast. Und statt Freude spürst du Leere. Wie auch immer die Auslöser und die Fragen sind, sie alle eint dieser Raum dazwischen.

Dieser Weder-noch-Zustand bedeutet für uns meistens eine Schwäche, wenn wir mittendrin sind. Der Stellenverlust bedeutet Scheitern, der Trennung, dass ich falsch gelebt habe. Die Pensionierung, dass ich nicht mehr gebraucht werde. Das erreichte Ziel, welches mich eigentlich freuen müsste. All das fühlt sich an für uns an wie ein Mangel, den wir schnell zu beheben haben, damit es uns danach besser geht. Wir stürzen uns deshalb gerne wieder in etwas Neues, damit wir diese Leere nicht aushalten müssen.

Warum halten wir diesen Zustand nicht aus? Der Mensch ist nicht gemacht für diesen Schwebezustand, wir brauchen Sicherheit. Diese ist aber in diesem Moment nicht da und wir flüchten uns in vermeintliche Sicherheiten: Wir nehmen lieber die nächst-beste Stelle an, ohne uns zu fragen, in welche Richtung es uns eigentlich zieht. Wir füllen den Kalender im Ruhestand sofort mit Terminen und Verpflichtungen. Oder wir setzen uns unter Druck, nach der Trennung schnell wieder bereit für jemanden zu sein oder suchen verzweifelt nach Antworten. Diese vermeintlichen Sicherheiten schützen uns scheinbar vor dieser Leere, aber diese sind meistens nur von kurzer Dauer - wir haben den Raum, den diese Zeit bietet, nicht genutzt, wir haben lediglich A durch B ersetzt.

Dieser Zustand muss sich nicht leer anfühlen, nur um ihn schnell wieder mit Inhalt zu füllen. Wir dürfen diesen Zustand mit Dingen füllen, die uns weiterbringen und nicht zurück zum Ausgangspunkt. Dieser Weder-noch-Zustand ist ein idealer Raum für Reflexion und um die Weichen neu zu stellen.

Und hier setzt Coaching an. In dem wir die Leere, den Weder-noch-Zustand annehmen und ihn als Raum für Transformation und Wandel sehen, nicht als Schwarzes Loch. Nach deiner Entlassung und den darauffolgenden Ängsten schafft Coaching Raum, um über den Tellerrand hinauszuschauen, um neue Perspektiven zu öffnen. Oder wie in meinem Fall - da hat Coaching das Drama des "ich will den wahren Grund erfahren" abgelöst und durch ein "ich muss nicht alles wissen" ersetzt. Dieser Wandel hat Jahre gedauert, doch indem ich mir den Raum gegeben habe, wurde daraus ein Ort der Erleichterung. Aber es sind nicht nur die grossen Dramen, die lauten Ereignisse, welche Raum verdienen, auch die kleinen, stillen verdienen diesen Raum. Das letzte Kind ist ausgezogen und plötzlich herrscht Stille im Haus. Wo es vorher voller Leben und laut war, wo das Drama herrschte, ist es nun ganz still und leise.

Coaching hilft dir, in diesem Schwebezustand neue Perspektiven einzunehmen: Sei es ein neuer Blick auf die Frage, wer du nach der Pensionierung bist, neue Perspektiven auf die Stille im Haus oder neue Karriere- oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Oder Coaching hilft dir, in dem du reden kannst, statt allein an einer Sache grübeln. Und Coaching sieht dich als ganzen Menschen, als Summe von allem, was dich ausmacht und deinem ganzen Leben. Nicht nur dem Bereich, in dem aktuell gerade nicht läuft. Diese holistische Perspektive öffnet Wege, die du vorher nicht für möglich gehalten hättest.

Egal ob du deinen letzten Arbeitstag hinter dir hast oder du das Kündigungsgespräch im Kopf nochmals hin und her drehst, du in der Stille des leeren Kinderzimmers stehst, nach der Trennung Antworten suchst oder ein grosses Ziel erreicht hast und dich fragst, "was jetzt?": Dieser Weder-noch-Zustand dazwischen ist kein Ort, den mal einfach aushalten muss. Es ist der Raum, den du nutzen darfst. Für dich, für deinen Weg, den du nicht allein gehen musst. Coaching begleitet dich dabei.

Wie fühlt sich dieser Moment nun an? Wenn du Raum brauchst, um deinen Weg zu erkunden, ist das vielleicht der richtige Moment.

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