6:30
6:30 Uhr. Der Wecker hat um sechs geklingelt. Bewusst. Kurzer Kaffee, Velohose und Trickot an, Bidon füllen, in die Schuhe rein, los.
Draussen ist es still. Kein Mensch, kein Auto, nichts. Nur die Strasse und ein Himmel, der langsam orange wird. Die Luft ist kühl, die Beine noch schwer. Aber nach zehn Minuten läuft es. Und dann hältst du an, schaust dich um und denkst: Verdammt, das ist schön.
Es ist ein Privileg. Und ich meine das nicht als Floskel.
Es ist ein Privileg, weil es eine Entscheidung ist. Niemand zwingt dich, um halb sieben auf dem Velo zu sitzen. Niemand gibt dir dafür einen Bonus oder ein Lob. Du tust es für dich. Punkt.
Und genau da liegt das Ding: Wann tust du das letzte Mal etwas nur für dich? Nicht für den Job, nicht für die Familie, nicht für die To-do-Liste. Für dich.
Ich rede nicht von Wellness-Wochenenden oder Retreats in Bali. Ich rede von 6:30 Uhr und einem Velo. Von zehn Minuten Ruhe vor dem ersten Kaffee. Von einem Spaziergang ohne Ziel und ohne Podcast im Ohr.
Etwas, das dir niemand verordnet hat. Das auf keiner Liste steht. Das du einfach machst, weil du es dir wert bist.
Klingt simpel. Ist es auch. Und trotzdem machen es die wenigsten.
Weil immer etwas Wichtigeres kommt. Weil der Kalender schon voll ist, bevor der Tag beginnt. Weil du gelernt hast, dass du erst etwas für dich tun darfst, wenn alles andere erledigt ist.
Spoiler: Es ist nie alles erledigt.
Also steh auf. Geh raus. Ob Velo, Laufschuhe oder barfuss über die Wiese – egal. Es muss nicht viel sein. Aber es muss von dir kommen.
Geschrieben nach einer Ausfahrt im Emmental. Sonnenaufgang: gratis. Die Entscheidung, ihn zu sehen: unbezahlbar.

